Insolvenzen in der Steiermark konzentrieren sich auffällig stark auf Bau, Handel und Gastronomie. Allein diese drei Bereiche kommen aktuell auf deutlich über 300 Fälle und prägen das Gesamtbild.
Überblick über die wichtigsten Punkte
| Bereich | Kennzahl | Wert | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Gesamtbild Steiermark | Firmenpleiten 2025, Stichtag Anfang Dezember | 723 | Hohe Fallzahl, leicht unter Vorjahr, Trend bleibt angespannt |
| Gesamtbild Steiermark | Durchschnitt pro Tag | rund 2 | Praktische Einordnung der Dynamik im Jahresverlauf |
| Verfahrensstatus | Nicht eröffnete Fälle mangels Kostendeckung | über 220 | Hoher Anteil, erhöht Gläubigerrisiko, oft kaum geordnete Abwicklung |
| Verfahrensstatus | Anteil ohne Verfahren | rund ein Drittel | Signal für fehlende Liquiditätsreserven in vielen Kleinfällen |
| Branche Bau | Insolvenzen 2025 | 126 | Besonders anfällig für Zinsen, Projektstopps, Ketteneffekte über Subunternehmer |
| Branche Handel inkl. Kfz | Insolvenzen 2025 | 122 | Margendruck, Frequenzrückgang, Lager und Fixkosten wirken stark |
| Branche Beherbergung und Gastronomie | Insolvenzen 2025 | 122 | Hohe Fixkosten, Personalintensität, Konsum reagiert schnell auf Preisdruck |
| Top 3 Branchen gesamt | Summe Bau, Handel, Gastro | 370 | Deutlich über 300, prägt das Insolvenzbild in der Steiermark |
| Konzentration | Anteil der Top 3 an allen Fällen | rund 51 % | Mehr als jeder zweite Fall kommt aus diesen drei Bereichen |
| Risikoindikator | Fälle außerhalb Top 3 Branchen | 353 | Breite Streuung, zeigt dass Druck auch in anderen Sektoren vorhanden ist |
| Finanzierung und Cashflow | Typischer Engpasspunkt | Liquidität, nicht Auftragslage | Viele Betriebe scheitern, weil kurzfristige Zahlungsverpflichtungen nicht bedient werden können |
| Wirkung auf Region | Typische Folgewirkung | Ausfälle in Lieferketten | Besonders relevant bei Bau, aber auch bei Handel und Gastronomie über Lieferanten und Vermieter |
Wenn in der Steiermark über Pleiten gesprochen wird, fällt fast immer dieselbe Dreiergruppe: Bau, Handel sowie Beherbergung und Gastronomie. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines klaren Kosten und Nachfrageprofils. Diese Branchen arbeiten oft mit knappen Margen, sie reagieren empfindlich auf Zinsen, Energiepreise und Konsumzurückhaltung.
Gleichzeitig ist die Statistik tückisch. Eine Insolvenz ist nicht immer ein großes Verfahren mit Sanierungsplan. Ein beachtlicher Teil der Fälle scheitert bereits an den Verfahrenskosten. Das verzerrt nicht die Zahl der Pleiten, aber es verschiebt die Risiken. Vor allem für Gläubiger, Beschäftigte und regionale Zulieferketten.
Dieser Artikel ordnet die wichtigsten Zahlen ein, erklärt die Mechanik dahinter und zeigt, welche Entwicklungen für 2026 realistisch sind. Ohne Alarmismus, aber mit klaren Ableitungen für die Praxis.
Insolvenzen in der Steiermark: Was die aktuellen Zahlen wirklich zeigen
Die jüngste Hochrechnung für das Jahr 2025 weist in der Steiermark 723 Firmenpleiten aus. Stichtag ist der 2. Dezember. Damit liegt das Niveau leicht unter dem Vorjahr. Es bleibt aber hoch, gemessen am Alltag. Im Schnitt sind es weiter etwa zwei Unternehmen pro Tag.
Entscheidend ist die Branchenverteilung. Die Bauwirtschaft führt mit 126 Fällen. Beherbergung und Gastronomie folgen mit 122 Fällen. Der Handel inklusive Kfz Instandhaltung und Reparatur liegt ebenfalls bei 122 Fällen. Zusammen sind das 370 Insolvenzen. Damit liegt die Dreiergruppe nicht bei exakt 300, sondern spürbar darüber.
Ein zweiter Wert ist mindestens so wichtig wie die Fallzahl. In über 220 Fällen wurde kein Verfahren eröffnet, weil die Kostendeckung fehlte. Das entspricht rund einem Drittel aller Firmenpleiten in der Steiermark. Für Gläubiger ist das besonders hart, weil eine geordnete Aufarbeitung kaum stattfindet.
Wie viele Insolvenzen in der Steiermark gibt es aktuell?
Die genannte Hochrechnung erfasst das laufende Jahr bis Anfang Dezember. Sie zählt Firmenpleiten, nicht nur große Verfahren. Dadurch entsteht ein realistisches Bild der Breite. Die Zahl kann sich bis Jahresende noch verändern. Die Größenordnung ist jedoch klar, weil der Stichtag bereits sehr spät im Jahr liegt.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Fällen mit eröffnetem Verfahren und Fällen ohne Verfahren. Beide sind wirtschaftlich relevant. Für Statistikvergleiche muss man aber immer dieselbe Logik verwenden.
Welche Branchen sind besonders betroffen?
Bau, Handel und Gastro bilden in der Steiermark den Schwerpunkt. Das ist keine Momentaufnahme, sondern ein Muster. Diese Bereiche sind stark von kurzfristiger Nachfrage abhängig. Sie tragen hohe Fixkosten. Viele Betriebe arbeiten mit Vorfinanzierung. Dazu kommen Personalintensität und Preisdruck.
Die Bauwirtschaft trifft es zusätzlich wegen Projektlogik. Wenn ein Auftrag kippt, wirkt das sofort auf Subunternehmer. Das kann Kettenreaktionen auslösen, auch wenn einzelne Firmen zuvor solide wirkten.
Was bedeutet „mangels Kostendeckung nicht eröffnet“?
Wenn ein Verfahren nicht eröffnet wird, fehlt oft schon das Geld für die gerichtlichen Mindestkosten. Für den Markt ist das ein Warnsignal. Es zeigt, dass Liquidität in Teilen bereits komplett aufgebraucht ist. Für Gläubiger bedeutet es meist Totalausfall. Für Beschäftigte bedeutet es häufig ein abruptes Ende, ohne strukturierte Sanierung.
In der Steiermark liegt dieser Anteil laut Hochrechnung bei rund einem Drittel. Damit wird nicht nur die Pleite sichtbar, sondern auch die Härte des Falls.
Warum gerade Bau, Handel und Gastro so häufig scheitern
Die drei Branchen sind unterschiedlich, teilen aber zentrale Stresspunkte. Erstens. Sie müssen Kosten oft sofort zahlen, während Einnahmen verzögert kommen. Zweitens. Sie können Preise nur begrenzt anheben, weil Kunden ausweichen. Drittens. Sie hängen stark an Stimmung und Kaufkraft.
Im Bau kommt die Zinsseite dazu. Steigende Finanzierungskosten bremsen Neubau und Sanierungen. Viele Projekte rechnen sich dann nur noch mit Preisabschlägen. Das drückt Margen. Gleichzeitig bleiben Material, Energie und Personal teuer.
Im Handel wirkt die Mischung aus Online Konkurrenz, Lagerkosten und zurückhaltendem Konsum. Wenn Frequenz sinkt, fallen Fixkosten stärker ins Gewicht. Besonders heikel sind lange Zahlungsziele bei gleichzeitig hohen Wareneinsätzen.
In der Gastronomie trifft Preisdruck auf Energie und Personal. Gäste sparen schneller bei Restaurantbesuchen als bei Grundbedürfnissen. Viele Betriebe haben zudem Nachholeffekte aus den Vorjahren, etwa gestundete Verpflichtungen oder Investitionen, die jetzt fällig werden.
Rezession, Inflation und Preisdruck: Was im Hintergrund passiert
Insolvenzen entstehen selten durch einen einzigen Auslöser. Meist kippt ein System aus Nachfrage, Kosten und Finanzierung. Die steirische Dreiergruppe ist dafür ein gutes Beispiel.
Die Inflation bleibt ein Kernfaktor, weil sie gleichzeitig Kaufkraft und Kosten beeinflusst. Für Österreich erwartet das WIFO für 2025 eine Inflationsrate von 3,5 Prozent und für 2026 von 2,4 Prozent. Das spricht für Entspannung, aber nicht für Kostenruhe.
Beim Wachstum ist das Bild vorsichtig. Prognosen für 2025 zeigen eher eine Stagnation bis leichte Erholung. Für 2026 wird stärkeres Wachstum erwartet, aber von einem niedrigen Ausgangsniveau. Das heißt in der Praxis. Eine milde Entlastung ist plausibel, ein schneller Befreiungsschlag ist es nicht.
Preisdruck bleibt damit wahrscheinlich. Viele Betriebe können Kostensteigerungen nur teilweise weitergeben. Kunden vergleichen stärker. Öffentliche Auftraggeber und große Ketten drücken Konditionen. Das erhöht den Druck auf schwächere Bilanzen.
Welche Rolle spielen Löhne?
Löhne sind doppelt wirksam. Für Betriebe sind sie ein Kostenblock. Für Haushalte sind sie Einkommen. Wenn Löhne steigen, kann das Konsum stabilisieren. Wenn Lohnkosten schneller steigen als Umsatz, kippt die Kalkulation.
Für Bau, Handel und Gastro ist das besonders relevant. Diese Branchen sind personalintensiv. Gleichzeitig lassen sich Prozesse nur begrenzt automatisieren. In der Praxis entscheidet daher oft Produktivität. Wer den Personaleinsatz sauber steuert, gewinnt Spielraum. Wer das nicht kann, verliert ihn schnell.
Einordnung: Was in Österreich auffällt und was das für die Steiermark heißt
Ein Blick auf Österreich hilft, die regionale Lage nicht zu überschätzen. Laut Statistik Austria stieg die Zahl der Insolvenzen im 2. Quartal 2025 im Jahresvergleich um 9,3 Prozent auf 1.727. Besonders betroffen war der Dienstleistungsbereich, gefolgt von Handel und Baubranche.
Das passt zur steirischen Verteilung, auch wenn regionale Strukturen variieren. Die Steiermark hat neben Tourismus und Handel auch starke Industrie und Zulieferketten. Das kann stabilisieren, weil Export und Produktion andere Zyklen haben. Es kann aber auch Risiken verstärken, wenn Auftragseinbrüche in Deutschland oder global durchschlagen.
Die wichtigste Ableitung ist simpel. Die steirische Dreiergruppe ist kein Sonderfall. Sie ist die regionale Ausprägung eines österreichweiten Musters.
Sekundärfolgen: Warum eine Pleite oft nicht allein bleibt
Insolvenzen sind selten isoliert, besonders im Bau ist das sichtbar. Projektgesellschaften, Subunternehmer und Lieferanten hängen an wenigen Aufträgen. Wenn der Generalunternehmer fällt, reißen offene Rechnungen andere Betriebe mit. Selbst wenn diese operativ gesund waren, kann Liquidität fehlen.
Im Handel wirkt der Domino-Effekt über Lieferantenkredite und Rücknahmen. Wenn ein Händler schließt, bleiben Warenbestände offen, Lieferanten müssen abschreiben und in manchen Fällen verlieren sie auch Absatzkanäle.
In der Gastronomie sind es häufig Vermieter, Getränkelieferanten und regionale Produzenten. Wenn Zahlungen ausbleiben, trifft es kleine Zulieferer besonders schnell. Damit wird die Insolvenzstatistik zur regionalen Kettenstatistik, auch wenn das nicht in jeder Zahl sichtbar ist.
Die wahrscheinlichsten Szenarien für 2026 in der Steiermark
Szenarien sind nur dann seriös, wenn sie an belastbaren Annahmen hängen. Für die Steiermark bietet die Hochrechnung selbst einen Anker. Der KSV rechnet aus heutiger Sicht mit einem ähnlichen Insolvenzniveau wie 2025. Das ist der Basiskorridor.
Dazu kommen die makroökonomischen Signale: Sinkende Inflation und moderates Wachstum erhöhen die Chance auf Stabilisierung. Gleichzeitig bleiben Finanzierungskosten, Nachfragerisiken und Preisdruck spürbar.
Szenario 1: Stabilisierung auf hohem Niveau
Das ist das Basisszenario. Die Fallzahl bleibt ähnlich. Die Dreiergruppe bleibt dominant. Betriebe mit schwacher Eigenkapitalbasis scheiden weiter aus. Stärkere Unternehmen konsolidieren Marktanteile. Dieses Szenario passt zu der Erwartung eines ähnlichen Niveaus.
Szenario 2: Entlastung durch Inflation und Nachfrage
Dieses Szenario wird wahrscheinlicher, wenn Inflation weiter sinkt und Konsum sich festigt. Dann kann die Gastronomie profitieren. Auch Teile des Handels können atmen, wenn Kaufkraft nicht weiter erodiert. Für den Bau hängt viel an Zinsen und Auftragslage, besonders bei Wohnbau und Sanierung.
Szenario 3: Neue Stresswelle durch Kosten und Finanzierung
Dieses Szenario gewinnt Gewicht, wenn Finanzierung teuer bleibt und Nachfrage schwach bleibt. Dann steigt der Anteil der Fälle ohne Verfahren weiter. Das verschärft Verluste für Gläubiger. In der Praxis würde das vor allem Kleinstbetriebe treffen, die keine Reserven haben.
Was Unternehmen in der Steiermark jetzt konkret tun können
Insolvenzen in der Steiermark sind kein abstraktes Thema, sondern ein Frühwarnsignal für Liquidität. Wer in Bau, Handel oder Gastro tätig ist, kann den Trend nicht wegdiskutieren. Sie können aber Ihre Widerstandskraft erhöhen. Es geht um wenige, sehr konkrete Hebel, die sich innerhalb von Wochen umsetzen lassen.
- Liquidität wöchentlich steuern, nicht monatlich. Planen Sie Ein und Ausgänge konservativ.
- Forderungen aktiv managen. Kürzere Zahlungsziele, klare Mahnlogik, konsequente Limitprüfung.
- Preislogik prüfen. Kalkulieren Sie Deckungsbeiträge je Produkt, je Kunde, je Auftrag.
- Fixkosten flexibilisieren. Mieten, Leasing, Subscriptions, Dienstleister, alles auf Kündbarkeit prüfen.
- Finanzierung absichern. Frühzeitig Gespräch mit Bank, Factoring, Bürgschaften, Förderstellen prüfen.
- Risiko in Projekten reduzieren. Abschlagspläne, Sicherheiten, klare Nachtragsprozesse, saubere Abnahmen.
Diese Schritte wirken banal, sind aber oft der Unterschied zwischen Engpass und Krise. Entscheidend ist die Konsequenz: Ein gutes Excel ersetzt keine Umsetzung.
Kernfakten im Überblick
| Aspekt | Was die Zahlen zeigen | Warum das wichtig ist |
|---|---|---|
| Gesamtzahl 2025 | 723 Firmenpleiten in der Steiermark bis 2. Dezember | Hohe Fallzahl bleibt ein Alltagsthema |
| Top 3 Branchen | Bau 126, Gastro 122, Handel 122, zusammen 370 Fälle | Drei Bereiche dominieren deutlich |
| Fälle ohne Verfahren | Über 220 Fälle mangels Kostendeckung | Höhere Ausfallrisiken für Gläubiger |
Fazit
Insolvenzen in der Steiermark sind 2025 kein flächendeckender Kollaps, aber ein klarer Stresstest für die regionale Wirtschaft. Die Fallzahl bleibt hoch, auch wenn sie leicht sinken dürfte 2026. Das Bild wird von drei Branchen geprägt: Bau, Handel und Gastronomie bündeln deutlich über 300 Fälle und damit einen großen Teil des Problems. Gleichzeitig wächst die Zahl der Fälle ohne eröffnetes Verfahren, was die wirtschaftlichen Schäden oft verschärft.
Für 2026 spricht vieles für Stabilisierung auf hohem Niveau. Sinkende Inflation und vorsichtige Konjunkturerholung können entlasten, aber sie lösen keine strukturellen Probleme im Geschäftsmodell. Wer Risiken reduziert, Liquidität konsequent steuert und Preislogik sauber kalkuliert, verbessert seine Chancen spürbar. Wer das nicht tut, wird in einem Umfeld mit Preisdruck und knappen Margen schnell zum nächsten Fall in der Statistik.
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