Wenn Energiewende nach „mehr Wind & Sonne“ klingt, dann kommt der zweite Teil oft zu kurz: Speicher. Genau hier setzt das Grazer DeepTech-Startup Ecolyte an – mit zwei Bausteinen, die man selten gemeinsam bekommt: Biobasierte Chemie für Redox-Flow-Batterien und eine papierbasierte, PFAS-freie Membran („IonLeaf“), die nicht nur in Batterien, sondern auch in Elektrolyseuren, Brennstoffzellen und sogar Wasseraufbereitung relevant sein kann.
Spannend ist Ecolyte auch, weil das Unternehmen nicht mit einer Lifestyle-Story startet, sondern aus Forschung und Industrienähe kommt: gegründet 2022 (Gründungsteam „zu fünft“), mit EU-Förderung in Millionenhöhe, Investor aus der Obersteiermark – und 2025 mit dem EU Innovation Radar Prize ausgezeichnet. Wenn du Lust hast, dich mit einem Startup zu beschäftigen, das „Labor-Realität“ und „Skalierung“ wirklich ernst nimmt, ist Ecolyte ein guter Kandidat.
Faktencheck: Das macht Ecolyte besonders
| Aspekt | Stand | Warum relevant |
|---|---|---|
| Herkunft | Spin-off aus dem TU-Graz-Umfeld, DeepTech aus Graz | Forschungsnähe erhöht die Chance auf echte IP & belastbare Daten |
| Gründung | 2022 gegründet (laut Interview: „zu fünft“) | Team-Setup deutet auf Technik + Business + Skalierung hin |
| Gründer/Management | CEO/Founder: Stefan Spirk; Business/Strategy u. a. Wolfgang Zitz; CFO: Dieter Wurm | Wichtig für „DeepTech“: klare Rollen statt nur Vision |
| Kerninnovation 1 | IonLeaf: papierbasierte, PFAS-freie, ionenleitende Membran | Membranen sind oft Kosten- und Nachhaltigkeits-Flaschenhals |
| Kerninnovation 2 | Biobasierte Elektrolyte für Redox-Flow-Batterien (u. a. aus Lignin/Vanillin-Derivaten) | Weniger Abhängigkeit von kritischen/ökologisch problematischen Stoffen |
| Produktfokus | Stationäre Speicher (aws nennt 100–500 kWh; Team arbeitete am 10-kW-Prototyp) | Große Speicher sind Schlüssel für Netze, Industrie und erneuerbare Erzeugung |
| Förderung & Partner | EU-Förderung ~4,6 Mio. Euro (EIC-Kontext); Forschungs-/Industriepartner; Investor aus der Obersteiermark (Viktor-Kaplan-Muerz GmbH) | Signal für Validierung, Pilot- und Skalierungspfad |
| Anwendungen (über Batterien hinaus) | Membran laut EU/EIC auch für Brennstoffzellen, Elektrolyseure, Wasseraufbereitung | Mehr Märkte = mehr Chancen, aber auch mehr Fokus-Disziplin nötig |
| Auszeichnung | EU Innovation Radar Prize 2025 („Climate, Energy & Mobility“) | Erhöht Sichtbarkeit, Netzwerkzugang und Glaubwürdigkeit |
Was dahinter steckt: Warum Ecolyte für Speicher wirklich interessant ist
Redox-Flow-Batterien unterscheiden sich von klassischen Lithium-Ionen-Systemen: Energie steckt nicht „in Zellen“, sondern in Flüssigkeiten (Elektrolyten), die durch eine Zelle gepumpt werden. Das kann Vorteile bringen – etwa bei Lebensdauer, Skalierbarkeit und Sicherheit – aber Membran und Elektrolyt entscheiden über Effizienz, Kosten und Nachhaltigkeit.
Ecolyte greift genau diese zwei kritischen Stellen an: biobasierte Elektrolyte (statt kritischer Rohstoffe) und eine papierbasierte Membran, die PFAS-basierte Industriestandards ersetzen soll. Wenn das in der Praxis hält, was Pilot- und Labordaten versprechen, entsteht ein Speicherbaukasten, der für die Energiewende extrem wertvoll ist: groß, sicher, langlebig und materialseitig „europäischer“.
Die Gründer und das Team: Forschung trifft Skalierung
Das Startup wird von Stefan Spirk geführt, der aus dem TU-Graz-Umfeld kommt und seit Jahren an biobasierten Speicherchemien arbeitet. Im Team werden auf der Unternehmensseite u. a. Wolfgang Zitz (Business & Strategy) sowie Dieter Wurm (CFO) genannt. In öffentlichen Team-/Clusterprofilen werden außerdem u. a. Skalierungs- und Chemiekompetenzen sichtbar (etwa Verfahrenstechnik/Scale-up und wissenschaftliche Co-Entwicklung im Kern-Know-how).
Wichtig, wenn du DeepTech bewertest: Nicht nur „wer hatte die Idee“, sondern wer kann es bauen. Bei Ecolyte wirkt das Setup darauf ausgelegt, Forschung in Prototypen, Piloten und am Ende Produktionsprozesse zu übersetzen.
Produkt 1: IonLeaf – eine Membran aus Papier (PFAS-frei)
Membranen sind in vielen elektrochemischen Systemen der „unsichtbare Held“: Sie müssen selektiv Ionen durchlassen, chemisch stabil sein, wenig Widerstand verursachen und dabei bezahlbar bleiben. Ecolyte setzt hier auf ein ungewöhnliches Trägermaterial: Papier. Laut öffentlichen Beschreibungen wird es so modifiziert, dass eine ionenleitende bzw. (im Kontext Flow-Batterien) protonenleitfähige Membran entsteht.
Der Clou: IonLeaf wird als PFAS-freie Alternative positioniert. Förder- und EU-Stellen verweisen dabei auch auf den zunehmenden Regulierungsdruck rund um PFAS-Materialien. Das ist mehr als „Green Marketing“: Wenn PFAS in bestimmten Anwendungen künftig schwieriger werden, wird ein Ersatz plötzlich zum Markttreiber.
Produkt 2: Biobasierte Redox-Flow-Batterien – Elektrolyte aus nachwachsenden Rohstoffen
Bei Ecolyte geht es nicht nur um die Membran, sondern um das Speichermedium. In einem WKO-Interview beschreibt Stefan Spirk, dass die Idee schon länger existiert, redox-aktive Verbindungen aus Lignin (Holzbestandteil) zu gewinnen – und dass Vanillin (aus Lignin ableitbar) als Baustein in den Fokus rückte. TU-Graz-Berichte zeigen außerdem, wie Vanillin zu einem redox-aktiven Material für Flüssigbatterien weiterentwickelt werden kann – mit „milder“ bzw. „grüner“ Chemie.
Das Ziel ist klar: kritische Rohstoffe reduzieren und zugleich Speicher skalierbar machen. aws beschreibt Ecolyte dabei im Kontext von 100–500-kWh-Flüssigbatterien und betont den Sicherheitsaspekt: Betrieb im wässrigen Medium, wodurch Brände ausgeschlossen sein sollen.
Wofür das praktisch gut ist: Zielmärkte & typische Anwendungen
Wenn du Ecolyte „einordnen“ willst, denk weniger an Handyakkus – und mehr an die Welt dahinter: Industrie, Energiedienstleister, Speicherparks, Netzdienlichkeit. In diesen Anwendungen zählen vor allem Lebensdauer, Skalierbarkeit, Sicherheit und Materialverfügbarkeit. Genau dort sind Redox-Flow-Ansätze traditionell stark – und genau dort versucht Ecolyte, die klassischen Schwächen (Materialien, Kosten, Nachhaltigkeit) anzugehen.
Zusätzlich eröffnet IonLeaf als Membran-Technologie Märkte außerhalb von Batterien: EU/EIC nennt explizit Brennstoffzellen, Elektrolyseure und Wasseraufbereitung. Das kann ein Wachstumsturbo sein – solange das Startup Fokus und Ressourcen gut balanciert.
Innovation in „verständlich“: Was ist hier wirklich neu?
„Neu“ ist nicht, dass es Redox-Flow-Batterien gibt – die gibt es seit Jahrzehnten. Neu (und schwer) ist, sie so zu bauen, dass sie ökologisch, ökonomisch und produktionsseitig skalierbar werden. Ecolyte setzt dafür auf zwei Hebel:
1) Materialwechsel bei den Elektrolyten: weg von kritischen, seltenen oder ökologisch problematischen Stoffen, hin zu erneuerbaren, reichlich verfügbaren Rohstoffpfaden.
2) Membranwechsel: weg von PFAS-basierten Standards, hin zu einer papierbasierten Membran, die laut öffentlichen Stellen in Europa hergestellt und industriell skaliert werden soll.
Wenn beide Hebel funktionieren, ist das keine „kleine Verbesserung“, sondern ein echter Schritt Richtung breit einsetzbarer Großspeicher.
So kannst du Ecolyte sinnvoll verfolgen
- Pilot statt PowerPoint: Achte darauf, ob Piloten mit Industriepartnern messbare Betriebsdaten liefern (Dauerlauf, Effizienz, Degradation).
- Membran-Metriken checken: Entscheidend sind Leitfähigkeit, Selektivität, chemische Stabilität und Herstellkosten – nicht nur „PFAS-frei“.
- Elektrolyt-Realität: Frage dich: Wie verfügbar sind die biobasierten Vorprodukte? Wie robust ist die Qualität bei Scale-up?
- Skalierungspfad: DeepTech steht und fällt mit Produktion. Interessant sind Aussagen/Schritte zu m²/Woche (Membran) und kWh-Modulen (Batterie).
- Use-Case-Fit: Redox-Flow ist oft ideal für stationäre, längere Zyklen – weniger für ultrakompakte Anwendungen. Passt die Story zum Markt?
Was Fachleute und Institutionen betonen – Meinungen
EU/EIC hebt Ecolyte als Gewinner in „Climate, Energy & Mobility“ hervor und beschreibt die Membran als ionenleitend, papierbasiert und in mehreren Systemen nutzbar (Batterien, Brennstoffzellen, Elektrolyseure, Wasseraufbereitung). Im selben Kontext wird das Projekt VanillaFlow genannt, das Flow-Batterie-Ansätze mit KI/ML weiterentwickeln soll.
TU Graz beschreibt bereits früh die Entwicklung, Vanillin in ein redox-aktives Material für Flüssigbatterien zu überführen – als Schritt Richtung nachhaltiger Energiespeicherung. Der Kernpunkt: Rohstoffpfade aus Lignin/Vanillin können Batteriematerialien „grüner“ machen, ohne zwingend seltene Metalle zu benötigen.
aws ordnet Ecolyte im Innovationsschutz-Kontext als Entwickler von 100–500-kWh-Flüssigbatterien ein und betont die Sicherheit durch Betrieb im wässrigen Medium sowie die Eignung für Backup-Speicherung von Wind- und Solarenergie.
Steirische Förder-/Ökosystemstellen stellen bei IonLeaf vor allem den PFAS-Ersatz, den Nachhaltigkeitsnutzen und den Skalierungsanspruch in den Vordergrund – also genau die Punkte, die aus einer guten Idee ein marktreifes Produkt machen sollen.
FAQ
Was macht Ecolyte anders als klassische Batteriehersteller?
Ecolyte fokussiert auf stationäre Energiespeicher mit Redox-Flow-Technologie und ersetzt dabei kritische bzw. problematische Materialien durch biobasierte Alternativen – plus eine eigene PFAS-freie, papierbasierte Membran („IonLeaf“) als Schlüsselkomponente.
Was ist die IonLeaf-Membran – und warum ist sie so wichtig?
IonLeaf ist eine papierbasierte, ionenleitende Membran, die als PFAS-freie Alternative zu etablierten Industriemembranen positioniert wird. Membranen entscheiden in vielen Systemen über Effizienz, Stabilität, Kosten und Nachhaltigkeit – deshalb ist dieser Baustein oft marktkritisch.
Welche Rolle spielen Lignin und Vanillin bei Ecolyte?
Öffentliche Forschungs- und Interviewquellen zeigen den Ansatz, Lignin (Holzbestandteil) bzw. daraus ableitbares Vanillin als Ausgangspunkt für redox-aktive Materialien in Flüssigbatterien zu nutzen. Das unterstützt das Ziel, Elektrolyte nachhaltiger und weniger rohstoffkritisch zu machen.
Sind Redox-Flow-Batterien wirklich sicherer als Lithium-Ionen?
Bei Redox-Flow-Batterien arbeitet das Speichermedium typischerweise als Flüssigkeit und kann – je nach Chemie – im wässrigen Medium betrieben werden. In Förderbeschreibungen wird daraus ein Sicherheitsvorteil abgeleitet (keine Brandgefahr im Betrieb), wobei das konkrete Sicherheitsprofil immer vom Systemdesign abhängt.
Welche Größenordnung zielt Ecolyte an?
In öffentlich zugänglichen Beschreibungen werden stationäre Anwendungen genannt. Es finden sich Hinweise auf Prototypen im kW-Bereich sowie auf Zielgrößenordnungen im Bereich 100–500 kWh für Flüssigbatterie-Systeme – typisch für Gewerbe-, Industrie- und Netzanwendungen.
Wann könnte man Ecolyte-Technologie in der Praxis sehen?
DeepTech läuft meist über Prototypen, Pilotanlagen und dann Skalierung. Bei Ecolyte sprechen öffentliche Quellen von Pilotanwendungen und geplanten Produktionsausbauten; der konkrete Timing-Pfad hängt stark von Industrieintegration, Zertifizierung und Produktionshochlauf ab.
Ist „PFAS-frei“ nur ein Marketing-Label?
PFAS stehen zunehmend unter Regulierungs- und Nachhaltigkeitsdruck. Wenn eine Membran-Technologie in relevanten Performance-Kriterien mithält und gleichzeitig PFAS ersetzt, kann das ein echter Markttreiber sein – entscheidend sind am Ende belastbare Daten zu Stabilität, Kosten und Fertigungsreife.
Welche Anwendungen sind neben Batterien möglich?
EU-/Institutionenbeschreibungen nennen neben Batterien auch Brennstoffzellen, Elektrolyseure und Wasseraufbereitung als mögliche Einsatzfelder für ionenleitende, papierbasierte Membranen. Das erweitert den Markt, erfordert aber kluge Priorisierung.
Wie kann man als Unternehmen sinnvoll „andocken“?
Am effektivsten ist ein klarer Use Case: gewünschte Speichergröße, Lastprofil, Sicherheitsanforderungen, Standortbedingungen und Zielkosten. Damit lassen sich Pilotpartnerschaften, Demonstratoren oder gemeinsame Entwicklungsprojekte sauber definieren – statt nur „Innovationstourismus“.
Woran erkenne ich, ob die Innovation Substanz hat?
Achte auf Langzeittests, nachvollziehbare Kennzahlen (Wirkungsgrad, Degradation, Materialstabilität), Pilotreferenzen und einen plausiblen Skalierungspfad. Bei Membranen sind Produktionsrate, Qualitätskonstanz und Kosten pro Quadratmeter besonders aussagekräftig.
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