Die früher angekündigte Job-Convention im Murtal war mehr als eine klassische Bewerbungsrunde. Beim Prankherwirt in St. Marein bei Knittelfeld wurde sichtbar, wie sehr sich regionale Personalgewinnung verändert hat: Betriebe müssen sich nicht nur als Arbeitgeber präsentieren, sondern auch erklären, wie Arbeit, Gesundheit, Flexibilität und Wertschätzung im Alltag zusammenspielen. Laut regionaler Berichterstattung kamen rund 80 Interessierte, um sich direkt vor Ort ein Bild vom möglichen Arbeitsplatz zu machen. Für das Murtal ist ein solches Format besonders relevant, weil die Region industriell geprägt ist, zugleich aber mit Fachkräftebedarf, demografischem Wandel und neuen Erwartungen am Arbeitsmarkt umgehen muss.
Gerade im Bezirk Murtal zeigt sich, dass Arbeitsmarkt und Standortpolitik eng zusammenhängen. Wer qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten oder gewinnen will, braucht nicht nur offene Stellen, sondern auch glaubwürdige regionale Perspektiven. Weitere Einordnung zum Arbeitsmarkt bietet der Beitrag Arbeitsmarkt Steiermark: Offene Stellen sinken. Einen lokalen Blick auf die Region liefert zudem der Artikel Fohnsdorf: Wirtschaftsstandort im Wandel.
Job-Convention als Antwort auf einen veränderten Arbeitsmarkt
| Veranstaltung | Job-Convention beim Prankherwirt in St. Marein bei Knittelfeld |
| Termin | 18. Jänner 2023 |
| Format | Direktes Kennenlernen zwischen Arbeitgeber, bestehenden Mitarbeitenden und Interessierten |
| Schwerpunkt | Arbeitgebervorstellung, flexible Arbeitsmodelle, Gesundheit am Arbeitsplatz, regionale Produkte |
| Resonanz | Rund 80 Interessierte laut regionaler Berichterstattung |
| Regionale Relevanz | Fachkräftebindung, Lehrstellen, Teilzeitmodelle, saisonale Jobs und regionale Wertschöpfung |
Die Idee hinter der Job-Convention war bewusst niederschwellig: Interessierte sollten nicht zuerst Lebenslauf, Anschreiben und formale Bewerbung einreichen müssen, sondern den Betrieb, die Menschen und die Arbeitsumgebung kennenlernen. Dieses Prinzip passt zu einem Arbeitsmarkt, auf dem sich die Machtverhältnisse verschoben haben. Viele Bewerberinnen und Bewerber fragen heute nicht nur nach Lohn und Arbeitszeit, sondern auch nach Planbarkeit, Betriebsklima, Entwicklungsmöglichkeiten und Vereinbarkeit mit Familie oder Ausbildung.
Im konkreten Fall wurde die Job-Convention mit Themen wie Gesundheit am Arbeitsplatz, Prävention, Anti-Mobbing, flexiblen Arbeitszeiten und regionaler Ernährung verbunden. Damit griff das Format Fragen auf, die längst nicht nur große Unternehmen betreffen. Gerade kleinere und mittlere Betriebe in Gastronomie, Produktion, Handwerk, Dienstleistung und Tourismus stehen vor der Aufgabe, sich als Arbeitgeber verständlicher und attraktiver zu präsentieren.
Warum das Murtal wirtschaftlich mehr Aufmerksamkeit verdient
Das Murtal wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft mit Motorsport, Red Bull Ring, Tourismus und Naturraum verbunden. Wirtschaftlich reicht das Bild aber deutlich weiter. Das Bezirksprofil von WIBIS Steiermark weist für den Bezirk Murtal im Jahr 2024 23.239 unselbstständig Beschäftigte und 1.796 Arbeitgeberbetriebe aus. Prägend sind unter anderem Metallerzeugung und -bearbeitung, Maschinenbau sowie die Papierindustrie. Damit ist das Murtal kein Randstandort, sondern ein industriell relevanter Wirtschaftsraum mit hoher regionaler Spezialisierung.
Auch die Lehrlingszahlen zeigen, warum persönliche Berufsorientierung wichtig bleibt. Laut WIBIS gab es 2024 im Bezirk Murtal 969 Lehrlinge; auf 1.000 unselbstständig Beschäftigte kamen 41,7 Lehrlinge. Dieser Wert liegt deutlich über dem steirischen und österreichischen Vergleichswert. Für Betriebe bedeutet das: Die Lehre bleibt ein zentraler Hebel, um Fachkräfte früh an die Region zu binden. Für Jugendliche wiederum sind Formate wie eine Job-Convention hilfreich, weil sie Berufe greifbarer machen als klassische Stellenanzeigen.
Regionale Nähe ersetzt keine Strategie, macht sie aber glaubwürdiger
Eine Besonderheit solcher Veranstaltungen liegt in der persönlichen Begegnung. Wer einen Betrieb vor Ort sieht, mit Mitarbeitenden spricht und Arbeitsabläufe erklärt bekommt, bewertet einen Arbeitgeber anders als über ein Inserat. Das gilt besonders im ländlichen und semiurbanen Raum, wo Vertrauen, regionale Bekanntheit und direkte Empfehlung noch stärker wirken als anonyme Recruitingkampagnen.
Für Betriebe im Murtal kann das ein Vorteil sein: Sie konkurrieren zwar mit größeren Arbeitsmärkten wie Graz, Leoben oder dem Zentralraum, können aber mit kurzen Wegen, regionaler Verwurzelung, familiäreren Strukturen und konkreten Entwicklungsmöglichkeiten punkten. Entscheidend ist, dass diese Vorteile sichtbar gemacht werden. Genau hier setzen Veranstaltungen wie die Job-Convention an.
Fachkräftefrage: Nicht nur suchen, sondern Beziehungen aufbauen
Der Arbeitsmarkt im Bezirk Murtal bleibt in Bewegung. Das AMS meldete Ende April 2026 insgesamt 1.745 vorgemerkte Arbeitslose im Gesamtbezirk, zugleich waren 578 offene Stellen gemeldet. Auch wenn die Zahl der offenen Stellen gegenüber dem Vorjahr rückläufig war, bleibt die Besetzung passender Positionen für viele Betriebe anspruchsvoll. Besonders schwierig wird es dort, wo Qualifikation, Arbeitszeitmodell, Mobilität und Erwartungshaltung nicht zusammenpassen.
Deshalb reicht es für Unternehmen kaum noch, freie Stellen nur auszuschreiben. Wer langfristig Personal gewinnen will, muss erklären, wofür der Betrieb steht, welche Arbeitsbedingungen tatsächlich geboten werden und wie Entwicklung im Unternehmen aussieht. Der Beitrag Mangelberufe in der Steiermark zeigt, dass Engpässe häufig strukturell entstehen und nicht allein mit kurzfristigen Konjunkturbewegungen erklärbar sind.
Was andere Betriebe aus der Job-Convention lernen können
Der Nachbericht zur Job-Convention macht mehrere Punkte deutlich. Erstens: Personalgewinnung funktioniert besser, wenn sie konkret wird. Menschen wollen wissen, wie ein Arbeitsplatz tatsächlich aussieht. Zweitens: Themen wie Gesundheit, flexible Arbeitszeit und Wertschätzung sind keine Zusatzargumente mehr, sondern Teil der Arbeitgeberattraktivität. Drittens: Regionale Betriebe müssen ihre Stärken aktiv erzählen, weil viele junge Menschen und Fachkräfte berufliche Chancen im Murtal sonst nicht ausreichend wahrnehmen.
Besonders interessant ist das Format für Branchen mit schwankendem Personalbedarf. Im Umfeld von Gastronomie, Catering, Veranstaltungen, Produktion, Handel oder Tourismus werden häufig Lehrlinge, Teilzeitkräfte, Ferialkräfte, geringfügige Beschäftigte oder saisonale Unterstützung gesucht. Eine Job-Convention kann hier Brücken bauen, weil sie unverbindlicher startet als ein formales Bewerbungsgespräch, aber verbindlicher wirkt als eine reine Onlineanzeige.
Wirtschaftliche Bedeutung für die Steiermark
Für die steirische Wirtschaft ist das Murtal aus mehreren Gründen wichtig. Die Region verbindet industrielle Tradition mit spezialisierten Betrieben, gewerblichen Strukturen, touristischer Strahlkraft und wachsender Standortkooperation. Initiativen wie das interkommunale Flächenmanagement Raum Murtal zeigen, dass Betriebsansiedlungen, Erweiterungsflächen und regionale Infrastruktur strategisch gedacht werden. Neue Arbeitsplätze entstehen nicht isoliert, sondern dort, wo Standortentwicklung, Fachkräftebindung und Lebensqualität zusammenspielen.
Das monatliche Bruttomedianeinkommen im Bezirk Murtal lag laut WIBIS 2024 bei 3.538 Euro und damit leicht über dem steirischen Wert von 3.487 Euro. Diese Kennzahl unterstreicht, dass die Region wirtschaftlich nicht nur touristisch oder regionalpolitisch relevant ist, sondern auch über solide industrielle und betriebliche Wertschöpfung verfügt.
Fazit: Ein kleines Format mit größerer Signalwirkung
Die Job-Convention im Murtal war ein regionales Format, aber ihr Thema reicht weit darüber hinaus. Sie zeigte, dass Personalgewinnung im Jahr 2026 nicht mehr allein über Stellenanzeigen, Jobportale oder klassische Bewerbungsgespräche funktioniert. Betriebe müssen erlebbar werden. Für das Murtal ist das besonders wichtig, weil die Region wirtschaftlich stark ist, aber im Wettbewerb um Fachkräfte sichtbar bleiben muss.
Wenn solche Formate regelmäßig und professionell weitergeführt werden, können sie mehr leisten als kurzfristige Bewerbungen auslösen. Sie stärken das Bewusstsein für regionale Arbeitgeber, zeigen Jugendlichen konkrete Ausbildungswege und helfen Betrieben, ihre Rolle als Teil der steirischen Wirtschaft selbstbewusster zu kommunizieren.
Häufige Fragen zur Job-Convention im Murtal
Was war die Job-Convention im Murtal?
Die Job-Convention war ein regionales Arbeitgeberformat beim Prankherwirt in St. Marein bei Knittelfeld. Interessierte konnten den Betrieb, mögliche Tätigkeiten und Ansprechpartner direkt vor Ort kennenlernen.
Wann fand die Veranstaltung statt?
Die Veranstaltung fand laut regionaler Berichterstattung am 18. Jänner 2023 statt.
Warum war das Format ungewöhnlich?
Im Mittelpunkt stand nicht nur die klassische Bewerbung, sondern das persönliche Kennenlernen in ungezwungener Atmosphäre. Ergänzt wurde das Format um Themen wie Gesundheit am Arbeitsplatz, flexible Arbeitszeiten und Wertschätzung.
Warum ist das für das Murtal wirtschaftlich relevant?
Das Murtal ist ein industriell geprägter Wirtschaftsraum mit vielen Arbeitgeberbetrieben, Lehrlingen und spezialisierten Unternehmen. Regionale Recruitingformate helfen, Fachkräfte und Nachwuchs stärker an die Region zu binden.
Welche Branchen profitieren von solchen Jobformaten?
Besonders relevant sind solche Formate für Gastronomie, Tourismus, Produktion, Handwerk, Dienstleistung, Handel und Veranstaltungswirtschaft. Dort zählen persönlicher Eindruck und flexible Arbeitsmodelle oft stark.
Welche Rolle spielt die Lehre im Bezirk Murtal?
Die Lehre ist im Murtal überdurchschnittlich wichtig. WIBIS weist für 2024 969 Lehrlinge aus; die Lehrlingsdichte liegt deutlich über dem steirischen Durchschnitt.
Was können andere Betriebe daraus lernen?
Betriebe sollten ihre Arbeitsbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten und Unternehmenskultur sichtbar machen. Persönliche Begegnungen können Hemmschwellen senken und Vertrauen schaffen.
Quellen und weiterführende Informationen
- MeinBezirk Murtal: Bericht zur ersten Jobconvention beim Prankherwirt in St. Marein – regionale Nachberichterstattung mit Angaben zu Termin, Konzept und Resonanz.
- Hero-Cube: 1. Job Convention am 18.01.2023 – Kurzmeldung zur Veranstaltung und den beteiligten Personen.
- WIBIS Steiermark: Bezirksprofil Murtal, Datenstand Oktober 2025 – Beschäftigung, Betriebe, Lehrlinge, Wirtschaftsstruktur und Einkommen im Bezirk Murtal.
- AMS Steiermark: Arbeitsmarktlage Bezirk Murtal im April 2026 – aktuelle Daten zu Arbeitslosigkeit, offenen Stellen und Lehrstellenmarkt.
- Raum Murtal: Wirtschaftsregion und interkommunales Flächenmanagement – Informationen zu Standortentwicklung, Betriebsansiedlung und Lebensqualität im Murtal.
Alle Angaben wurden nach öffentlich verfügbaren Quellen recherchiert. Hinweise zu Korrekturen, Ergänzungen oder neuen Entwicklungen zur Job-Convention und zur Wirtschaftsregion Murtal können gerne übermittelt werden.
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