HR-Expertin und Female-Leadership-Expertin Cornelia Schlögl aus Leibnitz im Interview mit Steirische Wirtschaft über die Themen: Führung, Wirkung und Authentizität.
Cornelia Schlögl ist außerdem Autorin des Bestsellers: „Schluss mit nett – Führung braucht Eierstöcke!„, erschienen im Mentoren Verlag.
Warum beginnt wirksame Führung aus Ihrer Sicht nicht beim Team, sondern bei der eigenen Selbstführung?
Cornelia Schlögl: Wirksame Führung beginnt immer bei einem selbst. Viele schauen zuerst auf alle anderen, auf den Chef, auf ihr Team, auf die Mitarbeiter oder auf die Rahmenbedingungen. Was tun die anderen, was tun sie nicht, wo läuft es nicht rund und sie suchen die Schuld fürs nicht Funktionieren dort. Das ist erstmals der leichtere Weg, aber nicht der nachhaltige.
Die eigentliche Frage ist eine andere: Wie führe ich mich selbst? Bin ich klar in dem, was ich will?
Kenne ich meine Werte? Treffe ich tragfähige Entscheidungen? Übernehme ich Verantwortung für mein Verhalten? Bin ich ein Vorbild in dem was ich mache?
Genau das spiegelt sich im Team.
- Wenn ich selbst unklar bin, wird mein Team auch unklar.
- Wenn ich Dinge aufschiebe, passiert das im Team genauso.
- Wenn ich mich verzettele, entsteht auch dort keine klare Richtung.
Selbstführung ist die Basis. Es geht darum, sich selbst zu steuern, Gedanken, Emotionen und Verhalten bewusst wahrzunehmen und nicht einfach laufen zu lassen.
Gerade im Alltag, wenn Druck da ist oder viele Themen gleichzeitig kommen, zeigt sich das ganz deutlich. Ein Titel macht dich nicht zur Führungskraft, dein Verhalten schon. Genau deshalb beginnt sie immer bei einem selbst.
Weshalb fällt Delegieren als Führungskraft so vielen Menschen schwer, obwohl sie genau wissen, dass sie nicht alles selbst machen können?
Cornelia Schlögl: Weil Delegieren nichts mit Aufgaben zu tun hat, sondern ebenso mit innerer Haltung. Viele wissen, dass sie nicht alles selbst machen können, und trotzdem machen sie es.
Warum? Weil es schneller geht. Weil sie wissen, wie es funktioniert. Und ganz ehrlich, oft auch, weil sie sich über das Tun definieren.
Ich kenne das selbst. Ich habe lange geglaubt, Delegieren heißt, Arbeit weiterzuschieben. Dass ich mich quasi „drücke“. Und gleichzeitig hatte ich dieses tiefe Gefühl: Ich muss leisten, ich muss zeigen, was ich kann. Das sitzt oft viel tiefer, als man glaubt. Der eigentliche Punkt ist: Delegieren bedeutet nicht, Arbeit abzugeben. Delegieren bedeutet, jemanden bewusst in Verantwortung zu führen. Und das braucht Disziplin.
Die Disziplin, nicht ständig dazwischenzufunken. Und die Klarheit zu erkennen, wer überhaupt in der Lage ist, eine Aufgabe zu übernehmen.
Für mich hat sich alles verändert, als ich verstanden habe, dass Delegation die Entwicklung und kein Weiterschieben der Arbeit ist.
Und genau deshalb ist eine meiner wichtigsten Regeln: Wer alles festhält, blockiert Wachstum, bei sich selbst und im Team.
Woran erkennt man, dass mangelnde Führungswirksamkeit weniger mit fehlender Kompetenz zu tun hat als mit Übersteuerung, Kontrolle oder fehlender Priorisierung?
Cornelia Schlögl: Man erkennt es daran, dass ohne Führungskraft nichts läuft. Es wird gearbeitet, es ist viel los, alle sind beschäftigt, aber sobald die Führungskraft nicht da ist, stockt alles. Entscheidungen bleiben liegen, es wird rückgefragt, abgesichert, gewartet.
Das wirkt nach außen oft wie Engagement. In Wahrheit ist es ein klares Zeichen von Übersteuerung.
Viele Führungskräfte glauben, sie müssen ständig präsent sein. Dauernd erreichbar, überall involviert, jede Entscheidung absichern. Genau damit erzeugen sie das Gegenteil von Wirksamkeit. Sie erschaffen Abhängigkeit. Das Team lernt nicht, selbst zu entscheiden, sondern zu warten. Auf Rückmeldung, auf Freigabe, auf die Führungskraft.
Und dann entsteht diese typische Situation: Viel Aktivität, wenig Wirkung. Das hat selten etwas mit fehlender Kompetenz der Führungskraft zu tun. Ganz im Gegenteil, viele sind fachlich extrem stark. Das Problem ist eher, dass sie zu viel selbst machen, zu viel kontrollieren und zu wenig priorisieren, was wirklich ihre Aufgabe ist. Wirksame Führung zeigt sich genau dann, wenn du nicht anwesend bist. Wenn Entscheidungen getroffen werden, wenn Verantwortung übernommen wird und wenn Dinge laufen, ohne dass du ständig eingreifen musst.
Was müssen Führungskräfte beachten, um Aufgaben richtig zu delegieren, ohne danach doch wieder alles an sich zu ziehen?
Cornelia Schlögl: Theodore Roosevelt soll einmal gesagt haben: »Wer seiner Führungsrolle gerecht werden will, muss genug Vernunft besitzen, um die Aufgaben den richtigen Leuten zu übertragen, und genügend Selbstdisziplin, um ihnen nicht ins Handwerk zu pfuschen.«
Der größte Fehler passiert nach der Delegation. Man gibt eine Aufgabe ab und holt sie sich gleich wieder zurück. Entweder, weil es nicht schnell genug geht. Weil es anders gemacht wird, als man es selbst tun würde. Oder weil man unsicher wird, ob es überhaupt funktioniert.
Und genau da beginnt Mikromanagement. Was es stattdessen braucht, ist Klarheit von Anfang an.
- Was ist konkret zu tun?
- Wie soll es gemacht werden?
- Bis wann wird es gebraucht?
- Und ganz wichtig: Warum ist diese Aufgabe überhaupt relevant?
Wenn diese Punkte nicht klar sind, ist Chaos vorprogrammiert. Genauso entscheidend ist aber die Frage: Wer bekommt die Aufgabe? Nicht jeder ist gleich weit. Nur weil jemand motiviert ist, heißt das nicht automatisch, dass die Kompetenz da ist.
Kompetenz entsteht aus Wissen und Erfahrung. Fehlt eines von beidem, wird Delegation zur Dauerbaustelle.
Welche Rolle spielt gutes Selbstmanagement für Führungskräfte, wenn operative Verantwortung, Zeitdruck und Teamdynamik gleichzeitig wirken?
Cornelia Schlögl: Selbstmanagement ist in Wahrheit Selbstführung. Viele versuchen, ihre Zeit besser zu organisieren. Kalender, To-do-Listen, Tools. Das hilft alles ein Stück weit. Aber das eigentliche Problem liegt oft woanders. Führungskräfte sind nicht überfordert, weil sie zu wenig Zeit haben, sondern weil sie zu viel gleichzeitig selbst machen. Operative Themen, Entscheidungen, ständig erreichbar sein, überall dabei sein. Und parallel dazu ein Team führen.
Das geht sich auf Dauer nicht aus. Selbstführung bedeutet, bewusst zu entscheiden:
Was ist wirklich meine Aufgabe und was nicht mehr und was ist wirklich wichtig? Wo bin ich gefragt? Und wo halte ich Dinge fest, die ich eigentlich längst loslassen sollte?
Gerade unter Druck zeigt sich das. Gehe ich wieder ins Operative zurück, weil es schneller geht oder halte ich meine Rolle als Führungskraft?
Wirksamkeit entsteht durch Klarheit, Priorisierung und die Fähigkeit, sich selbst zu führen, auch wenn es stressig wird. Denn am Ende gilt: Wenn ich mich selbst nicht führen kann, kann ich auch mein Team nicht so führen, dass es sich entwickeln kann.
Was raten Sie Frauen, die gerade erst Delegieren lernen und dabei ständig das Gefühl haben, selbst schneller, gründlicher oder sicherer zu sein?
Cornelia Schlögl: Ich rate ihnen sich zu fragen, was sie langfristig wirklich wollen.
Willst du wirklich immer alles selbst machen? Oder willst du auch einmal in Ruhe auf Urlaub gehen können? Eine Krankheit auskurieren, ohne schlechtes Gewissen? Zeit für deine Familie haben, ohne ständig gedanklich im Unternehmen zu sein?
Wenn sie sich das ehrlich beantwortet, wird schnell klar: So wie bisher kann es nicht bleiben. Delegieren bedeutet, bewusst loszulassen und zwar damit andere es lernen. Und ja, am Anfang dauert es länger, ist vielleicht nicht perfekt und läuft anders. Aber genau darin liegt der Weg.
Sie soll sich immer wieder fragen: Baue ich mir gerade ein System, das auch ohne mich funktioniert?
Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

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