Der Steirische Innovationspreis 2026 ist vergeben: Am 8. April 2026 wurden im Schlossberghotel Graz sechs Projekte aus den Bereichen Digitalisierung und Nachhaltigkeit ausgezeichnet.
Die offizielle Übersicht der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG ist unter Innovationspreis Steiermark 2026 abrufbar. Prämiert wurden junge Technologiefirmen, etablierte Industrieunternehmen und Forschungseinrichtungen aus der Steiermark. Wirtschaftlich interessant ist weniger die Trophäe selbst, sondern was aus solchen Projekten entstehen kann: Sichtbarkeit, Pilotkunden, Forschungspartnerschaften, Exportchancen, Fachkräftebindung und der Schritt in Richtung bundesweiter Staatspreis Innovation.
Steirischer Innovationspreis 2026: die Preisträger im Überblick
| Kategorie | Ausgezeichnetes Projekt | Wirtschaftliche Relevanz |
|---|---|---|
| Digitalisierung: Kleinst- und Kleinunternehmen | arterioscope FlexCo mit arterioscope.AI-ECG | KI-gestützte Auswertung von Standard-EKGs für frühere kardiovaskuläre Risikohinweise im Praxisalltag |
| Digitalisierung: Mittel- und Großunternehmen | AT&S AG mit eingebetteten Halbleiterelementen in Leistungselektronik | Technologie für kompakte Stromversorgungsmodule in Hochleistungsrechenzentren und KI-Infrastruktur |
| Digitalisierung: F&E-Institutionen | Montanuniversität Leoben mit dem Digital Waste Research Lab | Großtechnische Forschungsinfrastruktur für digitale Abfallanalytik, Kreislaufwirtschaft und industrielle Forschungspartner |
| Nachhaltigkeit: Kleinst- und Kleinunternehmen | Ecolyte GmbH mit VanillaFlow | KI-gestützte Entwicklung nachhaltiger stationärer Energiespeicher und papierbasierter Membrantechnologie |
| Nachhaltigkeit: Mittel- und Großunternehmen | GIG Karasek GmbH mit CompriVAP | Industrielle Wärmepumpentechnologie für CO₂-freien Prozessdampf und Dekarbonisierung energieintensiver Produktion |
| Nachhaltigkeit: F&E-Institutionen | Polymer Competence Center Leoben GmbH mit kreislauffähigen Verbundmaterialien | Großtechnische Herstellung recyclingfähiger faserverstärkter Polymer-Verbundmaterialien für die Luftfahrtindustrie |
Was diese Auszeichnungen über den Wirtschaftsstandort Steiermark zeigen
- Innovation entsteht nicht nur in Konzernen: Mit arterioscope und Ecolyte sind zwei junge, spezialisierte Technologiefirmen unter den Preisträgern.
- Industrie bleibt Forschungstreiber: AT&S und GIG Karasek zeigen, dass Digitalisierung, Energieeffizienz und Produktion in der Steiermark eng verbunden sind.
- Leoben bleibt ein Schlüsselstandort: Montanuniversität Leoben und PCCL stehen für Material-, Abfall- und Kreislaufwirtschaftskompetenz mit industriellem Anschluss.
- Nachhaltigkeit wird technischer: Speicher, Prozesswärme, Recycling und Werkstoffe sind keine Imagefragen, sondern harte Standort- und Kostenfaktoren.
- Sichtbarkeit kann Folgeprojekte auslösen: Der Preis bringt mediale Aufmerksamkeit, Zugang zum SFG-Netzwerk, Präsenz beim Zukunftstag und für Unternehmen die Chance auf den bundesweiten Staatspreis Innovation.
arterioscope: KI im EKG als MedTech-Signal aus der Steiermark
In der Kategorie Digitalisierung bei Kleinst- und Kleinunternehmen wurde die arterioscope FlexCo ausgezeichnet. Das Projekt arterioscope.AI-ECG ist eine cloudbasierte MedTech-Software, die aus einem Standard-12-Kanal-EKG mithilfe künstlicher Intelligenz nicht-invasive kardiovaskuläre Biomarker ableitet. Ziel ist eine schnellere, günstigere und breiter verfügbare Früherkennung und Verlaufskontrolle von Herzinsuffizienz im Praxisalltag.
Wirtschaftlich ist daran vor allem die Schnittstelle zwischen Gesundheitsversorgung, Software, Datenanalyse und skalierbarer Diagnostik interessant. Wenn eine Lösung mit vorhandener EKG-Infrastruktur funktioniert, sinkt die Einstiegshürde für Ordinationen und Versorgungseinrichtungen. Für die Steiermark ist das ein Beispiel dafür, wie digitale Gesundheitslösungen aus kleinen Teams heraus entstehen können – vorausgesetzt, klinische Validierung, Zulassung, Datenschutz und Marktzugang werden sauber bewältigt.
AT&S: Leistungselektronik für Rechenzentren und KI-Infrastruktur
Bei den mittelgroßen und großen Unternehmen im Bereich Digitalisierung ging der Preis an die Austria Technologie & Systemtechnik AG. AT&S wurde für ein Verfahren ausgezeichnet, mit dem Halbleiterelemente in Leistungselektronik eingebettet werden. Dadurch sollen ultrakompakte Stromversorgungsmodule für Hochleistungsrechenzentren möglich werden.
Der wirtschaftliche Kontext ist klar: Rechenzentren, KI-Anwendungen und datenintensive Prozesse benötigen nicht nur Chips, sondern auch effiziente Energieversorgung, Kühlung und hochintegrierte Komponenten. Für die Steiermark ist AT&S ein Beispiel dafür, wie ein international tätiger Industriebetrieb regionale Forschung, Hightech-Produktion und globale Nachfrage verbindet. Passend dazu lohnt der Blick auf die Übersicht der umsatzstärksten Unternehmen in der Steiermark, weil dort sichtbar wird, welche Rolle Industrieunternehmen für Export, Beschäftigung und Wertschöpfung spielen.
Montanuniversität Leoben: digitale Abfallanalytik als Infrastrukturthema
In der Kategorie Digitalisierung bei F&E-Institutionen wurde die Montanuniversität Leoben für das Digital Waste Research Lab ausgezeichnet. Die Forschungsinfrastruktur verbindet digitale Abfallanalytik, Behandlungstechnologien und Kreislaufwirtschaft. Material- und Abfallströme sollen in Echtzeit erfasst und für Forschung, industrielle Anwendungen und Prozessentwicklung nutzbar gemacht werden.
Gerade hier zeigt sich ein zentraler Punkt: Kreislaufwirtschaft funktioniert nicht allein über politische Zielsetzungen, sondern über Messtechnik, Datenqualität, Sortierprozesse, Materialwissen und industrielle Skalierung. Das Projekt ist daher nicht nur ein Forschungspreis, sondern auch ein Signal an Entsorgungswirtschaft, Recyclingbetriebe, Anlagenbauer und produzierende Unternehmen. Wer Rohstoffe länger im Kreislauf halten will, braucht genau solche Schnittstellen zwischen Labor, Technikumsmaßstab und industrieller Anwendung.
Ecolyte: Energiespeicher ohne kritische Rohstoffabhängigkeit
Im Bereich Nachhaltigkeit bei Kleinst- und Kleinunternehmen setzte sich die Ecolyte GmbH durch. Das Projekt VanillaFlow beschäftigt sich im Rahmen eines EIC-Pathfinder-Projekts mit der KI-gestützten Entwicklung stationärer, nachhaltiger und skalierbarer Energiespeicher. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Membranen, redoxaktive Moleküle, Elektroden und die Steuerung der Batterie. Ziel ist es, kritische Rohstoffe zu ersetzen und geopolitische Abhängigkeiten zu verringern.
Für die steirische Wirtschaft ist das Thema unmittelbar anschlussfähig. Speichertechnologien entscheiden zunehmend darüber, ob erneuerbare Energie betriebswirtschaftlich sinnvoll genutzt werden kann. Produktionsbetriebe, Handelsunternehmen und Dienstleister beschäftigen sich längst nicht mehr nur mit Photovoltaik, sondern mit Eigenverbrauch, Lastspitzen, Versorgungssicherheit und Strompreisrisiken. Eine passende praktische Ergänzung dazu ist der Überblick zur Energie!Gewinn-Förderung für Betriebe in der Steiermark.
GIG Karasek: industrielle Wärmepumpe als Hebel für Prozessdampf
Bei den mittelgroßen und großen Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit wurde die GIG Karasek GmbH ausgezeichnet. Das Unternehmen entwickelte mit CompriVAP eine industrielle Wärmepumpenlösung, die Abwärme in CO₂-freien Prozessdampf umwandeln kann. Die SFG nennt als Referenz ein BASF-Projekt mit bis zu 50 Megawatt Leistung und rund 100.000 Tonnen jährlicher Emissionseinsparung.
Der Punkt ist wirtschaftlich besonders relevant, weil viele energieintensive Industrien nicht nur Strom, sondern Prozesswärme benötigen. Wer Prozessdampf effizienter und emissionsärmer erzeugen kann, adressiert einen Bereich, in dem Dekarbonisierung oft technisch schwieriger ist als bei Bürogebäuden oder Haushalten. Für Anlagenbau, Verfahrenstechnik und Industriekunden kann daraus ein Markt entstehen, der weit über die Steiermark hinausreicht.
PCCL: recyclingfähige Verbundmaterialien für die Luftfahrt
In der Kategorie Nachhaltigkeit bei F&E-Institutionen wurde das Polymer Competence Center Leoben ausgezeichnet. Das eingereichte Projekt befasst sich mit der wirtschaftlichen und großtechnischen Herstellung kreislauffähiger faserverstärkter und polymerbasierter Verbundmaterialien für die Luftfahrtindustrie.
Leichtbau bleibt für Luftfahrt, Mobilität und Industrie zentral, weil geringeres Gewicht Energiebedarf und Emissionen senken kann. Gleichzeitig stehen Verbundmaterialien unter Druck, weil Recycling, Reparaturfähigkeit und Materialkreisläufe komplex sind. Das PCCL-Projekt trifft damit einen Zielkonflikt, der für viele Branchen relevant ist: Hochleistungswerkstoffe müssen technisch belastbar, wirtschaftlich produzierbar und am Ende besser verwertbar werden.
Warum aus Preisen nicht automatisch Wachstum entsteht
Ein Innovationspreis ersetzt weder Marktzugang noch Finanzierung, Produktionskapazität oder regulatorische Zulassung. Er kann aber einen entscheidenden Zwischenschritt markieren. Sichtbarkeit erleichtert Gespräche mit Kund:innen, Forschungspartnern, Investor:innen und öffentlichen Förderstellen. Gerade für kleinere Firmen kann eine offizielle Auszeichnung helfen, Vertrauen aufzubauen und technische Glaubwürdigkeit zu erhöhen.
Die SFG nennt als Mehrwert unter anderem mediale Sichtbarkeit, Netzwerkzugang, Präsenz beim Zukunftstag und für Unternehmen die Chance auf den bundesweiten Staatspreis Innovation. Das ist wirtschaftlich relevant, weil Innovation häufig nicht am Prototyp scheitert, sondern an Skalierung, Vertrieb, Zertifizierung, Kapital und passenden Referenzprojekten. Wer ausgezeichnet wird, bekommt keine Garantie auf Wachstum – aber eine bessere Bühne für die nächsten Schritte.
Steiermark als F&E-Standort: stark, aber mit Übersetzungsauftrag
Die Steiermark zählt seit Jahren zu den forschungsstärksten Regionen Österreichs. Das Land verweist für 2023 auf eine Forschungsquote von 5,31 Prozent und damit auf Rang eins im Bundesländervergleich. Diese Stärke ist ein Standortvorteil, aber sie erzeugt auch Erwartungsdruck. Entscheidend ist nicht nur, wie viel geforscht wird, sondern wie oft daraus Produkte, Verfahren, Arbeitsplätze und exportfähige Lösungen entstehen.
Der Innovationspreis 2026 zeigt genau diese Übersetzung: MedTech-Software, Halbleiterintegration, Abfallanalytik, Speichertechnologie, Prozesswärme und Verbundmaterialien sind keine abstrakten Zukunftsthemen. Sie liegen dort, wo Betriebe heute investieren müssen: Gesundheit, KI-Infrastruktur, Energie, Kreislaufwirtschaft, Dekarbonisierung und industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Wer sich stärker mit Förderwegen beschäftigen möchte, findet ergänzend einen Überblick zu SFG-Förderungen 2026 für steirische Unternehmen.
Was steirische Betriebe aus den Gewinnerprojekten lernen können
- Innovation muss ein konkretes Problem lösen: Die ausgezeichneten Projekte adressieren Herzdiagnostik, Rechenzentren, Abfallströme, Speicher, Prozessdampf und Luftfahrtmaterialien.
- Digitalisierung und Nachhaltigkeit wachsen zusammen: KI, Sensorik, Materialdaten und Automatisierung werden zunehmend zu Werkzeugen der grünen Transformation.
- Forschung braucht Anwendungspartner: Besonders bei Energie, Recycling und Werkstoffen entscheidet die industrielle Erprobung über wirtschaftlichen Erfolg.
- Kleine Teams können Nischen besetzen: arterioscope und Ecolyte zeigen, dass spezialisierte Lösungen auch außerhalb großer Konzernstrukturen entstehen.
- Auszeichnungen sollten strategisch genutzt werden: Wer prämiert wird, sollte Sichtbarkeit in Vertrieb, Recruiting, Förderkommunikation und Partnersuche übersetzen.
- Technologie allein reicht nicht: Zertifizierung, Datenschutz, Skalierung, Produktionskosten und Kundennutzen bleiben die eigentlichen Markttests.
FAQ zum Steirischen Innovationspreis 2026
Wann wurde der Steirische Innovationspreis 2026 vergeben?
Die Preisverleihung fand am 8. April 2026 im Schlossberghotel Graz statt.
Wer vergibt den Innovationspreis Steiermark?
Der Preis wird im Umfeld des Wirtschaftsressorts des Landes Steiermark und der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG organisiert.
Welche Kategorien gab es 2026?
Ausgezeichnet wurden Projekte in den Bereichen Digitalisierung und Nachhaltigkeit, jeweils für Kleinst- und Kleinunternehmen, mittelgroße und große Unternehmen sowie F&E-Institutionen.
Welche Unternehmen wurden 2026 ausgezeichnet?
Ausgezeichnet wurden unter anderem arterioscope FlexCo, AT&S AG, Ecolyte GmbH, GIG Karasek GmbH sowie Forschungseinrichtungen aus Leoben.
Welche Forschungseinrichtungen haben gewonnen?
Bei den F&E-Institutionen wurden die Montanuniversität Leoben und das Polymer Competence Center Leoben ausgezeichnet.
Warum ist der Preis wirtschaftlich relevant?
Er macht technologische Lösungen sichtbar, erleichtert Netzwerkzugang und kann für Unternehmen ein Türöffner zu Kund:innen, Förderstellen, Forschungspartnern und bundesweiten Auszeichnungen sein.
Entstehen durch den Innovationspreis automatisch neue Arbeitsplätze?
Nein. Neue Arbeitsplätze entstehen erst, wenn Projekte skaliert, verkauft, produziert oder in Folgeprojekten umgesetzt werden. Der Preis kann diesen Weg unterstützen, ersetzt ihn aber nicht.
Was bedeutet die Auszeichnung für kleinere Firmen?
Für kleinere Unternehmen kann eine Auszeichnung Glaubwürdigkeit schaffen, den Zugang zu Pilotkund:innen erleichtern und die Wahrnehmung im Markt erhöhen.
Welche Rolle spielt der Staatspreis Innovation?
Die SFG empfiehlt 2026 fünf Projekte für den bundesweiten Staatspreis Innovation. Damit können steirische Projekte auch österreichweit zusätzliche Sichtbarkeit erhalten.
Warum tauchen so viele Leobener Einrichtungen unter den Preisträgern auf?
Leoben ist ein wichtiger Standort für Material-, Rohstoff-, Abfall- und Kreislaufwirtschaftsforschung. Die Auszeichnungen von Montanuniversität Leoben und PCCL spiegeln diese Spezialisierung wider.
Quellen und weiterführende Informationen
- SFG – Steirische Wirtschaftsförderung. (2026). Innovationspreis Steiermark 2026: offizielle Übersicht der ausgezeichneten Projekte.
- MeinBezirk Steiermark. (2026, 9. April). Das sind die steirischen Innovationspreisträger 2026.
- Montanuniversität Leoben. (2026, 9. April). Montanuni erhält steirischen Innovationspreis 2026.
- Land Steiermark, Wirtschaft. (2025). Steiermark bleibt F&E-Bundesland Nummer eins.
- Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus. (2026). Staatspreis Innovation: Bedeutung innovativer Lösungen für die Gesamtwirtschaft.
Alle Angaben wurden nach öffentlich verfügbaren Quellen recherchiert. Ergänzungen, Korrekturen oder Hinweise auf Folgeprojekte, Kooperationen und wirtschaftliche Effekte der ausgezeichneten Innovationen können gerne an die Redaktion übermittelt werden.
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